Funk, das Content-Netzwerk von ARD und ZDF, ist nun bereits fast vier Monate online. Zeit, das Programm einmal genauer anzusehen und mit Blick auf die Zahlen eine erste Zwischenbilanz zu ziehen: Was läuft auf Funk? Wie erfolgreich ist der Sender? Und wird auch im Internet irgendwann die Quote regieren?

Pläne, ein öffentlich-rechtliches Angebot für ein junges Publikum auf die Beine zu stellen, existieren schon länger. Bereits im Oktober 2014 forderten die Bundesländer ARD und ZDF auf, ein entsprechendes Online-Angebot einzurichten, das die zwischen den Zielgruppen des „Kinderkanals“ (Kinder) und des sonstigen Programms der öffentlich-rechtlichen Sender (mittleres Alter aufwärts) klaffende Lücke schließen sollte. Die Verantwortlichen hatten offenbar gemerkt, dass diese Gruppe der Medienkonsumenten weder an „Bernd das Brot“, noch am Musikantenstadl sonderlich viel Interesse zeigte.

Öffentlich-Rechtliches Content-Netzwerk statt klassischer Fernsehsender

Viele von ihnen hatten dem klassischen Fernsehen größtenteils den Rücken gekehrt, um Serien und Filme auf Abruf online zu streamen oder das eigene Programm auf YouTube selbst zusammenzustellen. Netflix war zu dieser Zeit gerade in Deutschland gestartet und schien die Entwicklung zu beschleunigen, an deren Ende laut Gründer Reed Hastings die komplette Bedeutungslosigkeit des klassischen Fernsehens stehen würde. Eine große und von allen Seiten umworbene Zielgruppe drohte ARD, ZDF und den dritten Programmen komplett verloren zu gehen – keine sonderlich gute Situation für einen öffentlich-rechtlichen Sender, der den Anspruch verfolgt, ein Programm zu liefern, in dem sich alle Altersstufen gleichermaßen wiederfinden.

„Wir müssen einen 14-Jährigen genauso wie einen 29-Jährigen erreichen. Das ist ein riesiges Feld. Das an einer Plattform zu machen, halten wir für komplett utopisch“ – Florian Hager, Geschäftsführer Funk

Circa zwei Jahre lang geisterte das Projekt unter dem wenig kreativen Namen „Junges Angebot“ durch die Medien, ehe die Macher im September 2016 konkrete Pläne vorstellten. Das öffentlich-rechtliche Angebot erhielt mit Funk einen deutlich griffigeren Namen und hatte mit klassischem Fernsehen nicht mehr allzu viel gemein. Um die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen zu erreichen, integrierte Funk die komplette Klaviatur der modernen Social Media Welt.

Über YouTube, Facebook, Snapchat und die eigene App sollten die auf die jeweiligen Plattformen zugeschnittenen Inhalte publiziert werden. „Wir müssen einen 14-Jährigen genauso wie einen 29-Jährigen erreichen. Das ist ein riesiges Feld. Das an einer Plattform zu machen, halten wir für komplett utopisch“, erklärte Geschäftsführer Florian Hager die Content-Strategie des öffentlich-rechtlichen Netzwerks.

Prominente Internet-Gesichter treten bei Funk auf

Zahlreiche bekannte Internet-Gesichter sollten die potentielle Zuschauerschaft auf Funk aufmerksam machen. So strahlte der Sender LeFloids „1080 Nerd Scope“ aus, ließ den YouTube-Heimwerker Fynn Kliemann für eine Sendung einen „Do-it-yourself“-Staat erschaffen und schickte Vlogger Dner in die USA, um im Vorfeld der Wahl mit jungen Amerikanern zu sprechen. Ansonsten teilt sich das Programm vor allem in zwei Bereiche ein: Serien und Formate. Neben eingekauften BBC-Produktionen bietet Funk bei Ersteren auch eine ganze Reihe an exklusiven Original-Serien, die größtenteils mit einer hochwertigen Produktionsqualiät überzeugen können. „Wishlist“ – eine Serie über eine App, die gegen eine Gegenleistung Wünsche erfüllt – brachte Funk sogar eine Nominierung für den Grimmepreis ein.

Die Formate übernehmen hingegen im Wesentlichen das, was beim klassischen Fernsehen alle Sendungen abseits der Serien bieten. Es gibt Medienkritik mit Philipp Walulis, politische Satire mit den „Datteltätern“, eine Sendung der Rocket Beans, die als Mischung aus dem Literarischen Quartett und Jackass beschrieben wird und ein Talkformat, das auf dem Frauenklo spielt. (Ja, das hat Funk tatsächlich im Angebot – Man stelle sich einen Polit-Talk im gleichen Ambiente vor…) Diese jugendlichen Versionen bereits etablierter Fernsehformate sollen dem ausgerufenen Ziel entsprechen, „Orientierung, Information und Unterhaltung“ in einem Programm zu vereinen.

Produktionen lösen sich von gewohnten Konventionen

Dadurch, dass die Inhalte größtenteils über das Internet verteilt werden, können sich die Produzenten von gewohnten Fernsehkonventionen lösen, wie Moderator Philipp Walulis in einem Interview mit dem „Deutschlandfunk“ verriet. Während im Fernsehen beständig in 30- beziehungsweise 45-minütigen Containern gedacht werde, könne man einen Inhalt im Internet genau so lang machen, wie dieser auch unterhalte. Kürzungen oder Streckungen, die zuvor gebraucht wurden, um auf die in den Programmplan passende Sendezeit zu kommen, seien nun nicht mehr notwendig. Anstatt einmal im Monat eine halbstündige Sendung zu füllen, redet Walulis auf Funk nun mehrmals in der Woche über Themen wie das „Dschungelcamp“.

Doch wie schlägt sich Funk als qualitatives Gegengewicht zum meist billig produzierten Content, der auf YouTube erfolgreich ist? Wird das Angebot von der angepeilten Zielgruppe überhaupt angenommen?

Schaut man sich die Zahlen an, die Funk vor kurzem der Dpa präsentierte, könnte man das Projekt für einen vollen Erfolg halten. Auf YouTube und Facebook könnte das Netzwerk zwischen Oktober und Dezember insgesamt circa 70 Millionen Aufrufe verzeichnen. Einige Projekte oder einzelne Beiträge erreichten dabei eine besondere Aufmerksamkeit. Ende Dezember wollten rund 185.000 Menschen mehr vom angesprochenen „Kliemannsland“ sehen und abonnierten den dazugehörigen Kanal auf YouTube. Erfolgreiche Videos wie die dritte Folge der Serie „Wishlist“ und der Kommentar des Journalisten Rayk Anders zum Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin erreichten mehr als eine halbe Millionen Aufrufe.

Bestimmt auch bei Funk bald die Quote das Programm?

Diese Meldungen können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass nicht alle Formate auf Funk erfolgreich sind. Der Kanal der Serie „Der Wedding kommt“ wurde bisher nur 249 mal abonniert; die erfolgreichste Folge rund 3000 mal aufgerufen. Auch andere Kanäle und Formate, die von Funk ins Leben gerufen wurden, bewegen sich trotz gut produzierter Inhalte am Rande zur Irrelevanz. Selbst die von Funk als besonders erfolgreich gelobte Sendung „Bohemian Browser Ballett“ konnte in den letzten drei Monaten gerade einmal 12.000 Abonnenten sammeln. Beim in diesem Kontext ebenfalls erwähnten Sport-Satirekanal „Wumms!“ sieht es mit rund 1.300 Abonnenten und 450.000 Videoaufrufen sogar noch schlechter aus.

Natürlich sagen diese Zahlen nur wenig über die Qualität einer Produktion aus – das kann jeder bestätigen, der mal einen Blick auf die Trend-Seite von YouTube geworfen hat. Trotzdem wird es spannend zu sehen, was mit Sendungen passiert, die die Erwartungen der Verantwortlichen nicht erfüllen können. Wann ist die Zeit des relativ freien Ausprobierens vorbei? Wird einem Projekt wie dem Frauentoiletten-Talk „Auf Klo“ irgendwann der Stecker gezogen, wenn die Zahlen in den nächsten Monaten nicht signifikant steigen? Und welche Rolle spielt die Quote, die im Fernsehen das Programm bestimmt, im neuen Internet-Content-Netzwerk? Die Zukunft wird zeigen,in welche Richtung sich das neue junge Angebot von ARD und ZDF entwicklen wird.

funk
Entwickler: Südwestrundfunk
Preis: Kostenlos
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Über den Autor

Hallo, ich heiße Julius und bin 19 Jahre alt. Ich bin immer auf der Suche nach neuen interessanten Apps und schreibe hier beim PXLMAG vor allem über Selbige. Aber auch über andere Themen rund um Technik, die mich interessieren, finden hier ihren Platz.