Die Ende-zu-Ende Verschlüsselung von WhatsApp hat eine „Backdoor“, netzpolitik.org und weitere klagen vor dem Verfassungsgericht gegen den Datenhehlerei-Paragrafen, es gibt neue Details zur Nintendo Switch und der PC-Absatz befindet sich weiterhin im Sinkflug. Über diese Themen informieren wir euch in dieser Woche in unseren PXLNWS.

PC-Absatz geht weiter zurück: Ein Image-Problem?

Infografik: PC-Verkäufe schon seit 5 Jahren rückläufig | Statista
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Personal Computer verkaufen sich immer schlechter. Dies ist keine bahnbrechende neue Erkenntnis, sondern ein seit nunmehr fünf Jahren anhaltender Trend, der schon 2012 mit einem leichten Rückgang der Absatzzahlen begann. Von da an ging es – mal in größeren, mal in kleineren Schritten – immer weiter abseits, ehe die PC-Verkäufe im Jahr 2015 wieder unter die Marke von 300 Millionen verkauften Einheiten fielen. Zum ersten mal seit 2008. Auch im vergangenen Jahr ging der Absatz von Computern wenig überraschend zurück. Laut Gartner, einem US-Marktforschungsunternehmen, konnten 2016 knapp 270 Millionen PCs verkauft werden, was einem Rückgang um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Trotz dieser Zahlen Gelände es einigen Herstellern, ihren Absatz zu steigern. Dell und HP verkauften um letzten Jahr jeweils rund fünf Prozent mehr PCs. Zusammen mit Marktführer Lenovo, dessen Absatz ebenfalls leicht anstieg, machen diese drei Unternehmen mehr als die Hälfte des Marktes unter sich aus. Zu den größten Verlierern gehören neben Acer und Asus vor allem die kleineren Hersteller. Letztere verbuchten einen Rückgang um fast 20 Prozent.

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Das Marktforschungsinstitut Gartner macht unter anderem die starke Konkurrenz durch anderen Produkte für die Absatzrückgänge auf dem PC-Markt verantwortlich. „PCs sind kein gefragtes Geschenk mehr. Hier setzen die Verbraucher stärker auf Unterhaltungselektronik wie kabellose Lautsprecher, VR-Brillen oder Wearables“, zitiert die „Deutsche Welle“ die Gartner-Analystin Mikako Kitagawa. Mit anderen Worten: PCs und Laptops scheinen inzwischen zu angestaubten Office-Geräten geworden zu sein, die man sich nicht zulegt, weil man sie haben will – sondern weil man sie braucht. PCs fühlen sich nach Arbeit an; nicht nach den coolen Freizeitgeräten, die man mit einer VR-Brille oder einer Streaming-Box assoziiert.

Hinzu kommt, dass selbst ältere Modelle für viele alltägliche Anwendungen noch immer ausreichen. Wer nicht gerade die neusten Spiele spielt oder auf seinem PC aufwändige Videos schneidet, kann die meisten seiner Aufgaben auch problemlos auf einem fünf Jahre alten PC erledigen. Ein zu geringer Leistungszuwachs der CPU in den letzten Jahren scheint für viele den Kauf eines neuen Geräts schlicht nicht mehr zu rechtfertigen. Auch Smartphones und Tablets machen dem PC vor allem ein Anwendungsgebiet streitig – den Medienkonsum. Wer setzt sich schon gerne für einen Artikel oder ein Video vor den PC, wenn er diese auch mit dem Tablet in der Hand auf dem Sofa konsumieren kann? (jk)

Nintendo verrät weitere Details zur Switch

Über Nintendo Switch ist in den letzten Monaten viel geschrieben worden. Im Oktober veröffentlichten die Japaner einen ersten Trailer, der die Konsole als Hybriden aus mobiler und stationärer Konsole vorstellte. Obwohl der erste Clip nicht allzu viele Details verriet, zeigte er doch den Kurs, den Nintendo mit der Switch einschalten möchte. Mit einer mobilen und modularen Konsole soll die perfekte Plattform fürs Spielen in nahezu jeder erdenklichen Situation geschaffen werden. Unterwegs oder daheim, vor dem Fernseher oder im Bett, alleine oder mit mehreren – all diese unterschiedlichen Nutzungsszenarien sollten sich nicht mehr ausschließen, sondern in der Nintendo Switch vereint werden. Auf einer rund einstündigen Veranstaltung am Freitagmorgen stellte Nintendo schließlich rund eineinhalb Monate vor Markteinführung Genaueres zur neuen Konsole vor.

Das Herzstück dieser bildet ein circa sieben Zoll großes Tablet, dessen Akkulaufzeit je nach Art der Nutzung zwischen zweieinhalb und siebeneinhalb Stunden variieren soll. Geladen wird das Tablet mit USB-C. An den Seiten können die so genannten Joy-Cons befestigt werden, die über einen Analogstick sowie vier Knöpfe in der für Controller typischen Anordnung verfügen. Dabei kann der Analogstick auch wie ein Knopf gedrückt werden. Jeder Joy-Con verfügt zudem über zwei Schultertasten. Nimmt man die Joy-Cons vom Tablet ab, lassen sich diese auch einzeln nutzen. Beide „Hälften“ können zudem mit Hilfe eines Adapters zu einem vollwertigen Controller zusammengefügt werden.

Als weiteres Alleinstellungsmerkmal bring die Switch ein Dock mit. Schiebt man die Konsole in diesen hinein, wird das Bild auf den angeschlossenen Fernseher übertragen. Der Übergang ist in beide Richtungen nahtlos möglich. Wie Nintendo am Freitagmorgen ankündigte, ist eine Konsole nicht an ein Dock gebunden. Es wird also möglich sein, seine Switch-Konsole auch mit dem Doch eines Freundes zu nutzen. dafür muss für den Zugang zu einigen Online-Funktionen erstmals bezahlt werden. Zum Start der Switch rollt Nintendo einen Abo-Service aus, der Xbox Live und PlayStation Plus ähnelt.

Konsolen werden über ihre Spiele verkauft. Um die Befürchtungen einiger Gamer zu zerstreuen, die Unterstützung durch Drittentwickler könnte sich zu einem ähnlich großen Desaster wie bei der Wii U entwicklen, kündigte Nintendo an, eine Reihe an Partnern ins Boot geholt zu haben. Neben Projekten wie „Mario Kart 8 deluxe“ und „Zelda: Breath of the wild“ sollen auch Titel wie „Elder Scrolls V. Skyrim“ oder „FIFA“ ihren Weg auf die Switch finden. So soll langfristig verhindert werden, dass Nintendo allein für den Nachschub an größeren Produktionen sorgen muss.

Auf dem Event verreit Nintendo zudem ein anderes interessantes Detail, über das in den vergangenen Wochen viel spekuliert worden war: Den Preis. Anders als von einigen Analysten erwartet versucht Nintendo nicht, die Konkurrenz über den Preis anzugreifen. Mit einem Einstiegspreis von 299 Dollar bewegt sich die Konsole auf dem Niveau der Xbox One. Sonys Playstation 4 ist inzwischen sogar günstiger zu haben. Beide Konsolen bringen auf dem Papier aber eine deutlich bessere Hardware mit. Nintendo vertraut also darauf, dass ihr neues und einzigartiges Konzept genug potentielle Kunden zum Kauf bewegen kann. Ob dies tatsächlich gelingt, muss die Zukunft zeigen. (jk)

WhatsApp-Verschlüsselung: Ein gewolltes Sicherheitsrisiko

Seit April können rund eine Milliarde Menschen über WhatsApp sicher kommunizieren. Das ist lobenswert, gerade in Zeit von Überwachung durch Geheimdienste.

Ein Bericht des Guardian sorgt nun aber für Aufregung. Von einem „huge threat to freedom of speech“ ist die Rede. Die britische Tageszeitung berichtet, dass WhatsApp unsicher sei und Facebook trotz der eigentlich sicheren Ende-zu-Ende Verschlüsselung Nachrichten ihrer Nutzer mitlesen könne. Die Facebook-Tochter wirbt damit, dass verschlüsselte Chats nur von den Nutzern selbst gelesen werden können – ein Ausspähen von außen sei unmöglich.

Tobias Boelter, ein Kryptografie- und Sicherheitsforscher der Berkeley-Universität Kalifornien warnte bereits im April vergangenen Jahres in seinem Blog vor Schwachstellen der WhatsApp-Verschlüsselung. Gegenüber dem Guardian sagte er nun: „If WhatsApp is asked by a government agency to disclose its messaging records, it can effectively grant access due to the change in keys.“ WhatsApp verwendet eine Verschlüsselungs-Technologie von Open Whisper Systems, die unter anderem auch im Signal Messenger verwendet wird. Sogar Whistleblower Snowden empfiehlt Signal, daher kann davon ausgegangen werden, dass der Messenger auch auf eine sehr sichere Verschlüsselung setzt.

Bei einer Ende-zu-Ende Verschlüsselung erzeugen Sender und Empfänger jeweils Schlüsselpaare. Während der private Schlüssel ausschließlich auf den beiden Geräten der beiden Gesprächspartner liegt, wird ein öffentlicher Schlüssel auf dem WhatsApp-Server abgelegt und auch mit anderen Nutzern geteilt. Beim Senden einer Nachricht wird diese mit dem öffentlichen Schlüssel verschlüsselt, kann von den Gesprächspartnern aber jeweils nur mit dem entsprechenden privaten Schlüssel des Gegenübers wieder entschlüsselt werden. Mithilfe dieser Technologie soll ein Abhorchen auf dem Transportweg von Außenstehenden ausgeschlossen werden. Eine todsichere Kommunikation soll so möglich sein.

WhatsApp kann bei Empfängern allerdings unwissentlich Schlüsselpaare verändern. Wenn sich das Handy des Empfängers beispielsweise im Offline-Modus befindet, ist es WhatsApp technisch möglich, in dieser Zeit den privaten Schlüssel zu erneuern und die Nachricht erneut zu senden, ohne dass der Sender davon etwas mitbekommt. Durch diese Lücke in der Ende-zu-Ende Verschlüsselung kann WhatsApp nicht verifizieren, dass die Nachricht auch dem richtigen Adressat zugestellt wird. Diese Änderung des Schlüsselpaars kann von WhatsApp, oder aber auch von Geheimdiensten zur Spionage von Gesprächsinhalten ausgenutzt werden.

WhatsApp streitet gegenüber netzpolitik.org die Vorwürfe vehement ab und möchte offensichtlich an seiner Verschlüsselungspraxis nichts ändern:

„WhatsApp gibt Regierungen keine „Hintertür“ in seine Systeme und würde gegen jede Regierungsanfrage, eine Hintertür zu schaffen, vorgehen. Die Designentscheidung, auf die in der Guardian-Geschichte verwiesen wird, verhindert, dass Millionen von Nachrichten verloren gehen, und WhatsApp bietet Menschen Sicherheitsbenachrichtigungen an, um sie auf potenzielle Sicherheitsrisiken aufmerksam zu machen. WhatsApp veröffentlichte ein technisches White Paper über sein Verschlüsselungsdesign und ist transparent in Sachen Regierungsanforderungen, die es empfängt; und veröffentlicht Daten über diese Anfragen im Facebook Government Requests Report.“ [Übersetzung von netzpolitik.org]

Wer sicher kommunizieren will, muss also zu Alternativen greifen. Netzaktivist Markus Beckedahl gibt auf netzpolitik.org „sechs gute Gründe, den Messenger zu wechseln„. Vielleicht sorgt ein großflächiger Widerstand für ein Umdenken bei WhatsApp. Man hat uns Nutzer ja schließlich schon einmal hintergangen. Es wird sich „nichts“ ändern, versicherte man seine Nutzer damals nach dem 14 Milliarden Euro Deal mit Facebook. Im August letzten Jahres vergaß man dieses Versprechen dann kurzerhand und gab bekannt, man werde die Telefonnummern der WhatsApp-Nutzer künftig an Facebook weiterleiten. Zur Verbesserung der Nutzererfahrung, heißt es offiziell. (fk)

Pressefreiheit: netzpolitik.org klagt gegen Datenhehlerei-Paragrafen

netzpolitik.org-Redaktion (Bild: © netzpolitik.org)

Als der Generalbundesanwalt im Frühjahr 2015 Strafanzeige wegen „Landesverrats“ gegen netzpolitik.org erstattete, war die Entrüstung groß. Viele Journalisten und Netzaktivisten sahen in den Ermittlungen gegen die Blogger einen klaren Verstoß der Pressefreiheit. Konkret ging es beim „Fall netzpolitik.org“ um einen vertraulichen Bericht des Verfassungsschutzes, der vom Aufbau einer neuen Internet-Überwachungseinheit handelte. Der Verfassungsschutz plante laut dem von netzpolitik.org veröffentlichten Bericht, Profile von Extremisten und Radikalen in sozialen Netzwerken zu überwachen.

Hans-Georg Maaßen, der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, erstattete wegen der Enthüllungen von netzpolitik.org Strafanzeige. Der Generalbundesanwalt nahm daraufhin die Ermittlungen gegen Andre Meister, den Autoren des Artikels, gegen den Chefredakteur und Gründer Markus Beckedahl sowie gegen „Unbekannt“ auf. Zahlreiche Journalistenverbände forderten eine sofortige Einstellung des Verfahrens. Die Pressefreiheit sei massiv gefährdet. Der Fall erinnerte an die Spiegel-Affäre. „Das ist ein Einschüchterungsversuch und ein Angriff auf die Pressefreiheit“, sagte Markus Beckedahl damals gegenüber heute.de.

Ende 2015 wurde vom Bundestag ein neuer Straftatbestand verabschiedet. In § 202d des Strafgesetzbuch wird die Veröffentlichung rechtswidrig erworbener Datensätze unter Strafe gestellt. Der Straftatbestand richtet sich also auch gegen Investigativ-Journalisten, die häufig Material von Informanten übermittelt bekommen. In § 97 der Strafprozessordnung wird außerdem der Justiz ermöglicht, Redaktionen zu durchsuchen und dort Material zu beschlagnahmen. 

„(1) Wer Daten (§ 202a Absatz 2), die nicht allgemein zugänglich sind und die ein anderer durch eine rechtswidrige Tat erlangt hat, sich oder einem anderen verschafft, einem anderen überlässt, verbreitet oder sonst zugänglich macht, um sich oder einen Dritten zu bereichern oder einen anderen zu schädigen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ [Auszug aus § 202a StGB]

Ein eklatanter Verstoß gegen die Pressefreiheit, heißt es aus vielen Reihen. Aus diesem Grund klagen zahlreiche Investigativ-Journalisten sowie ein Richter, Anwalt und IT-Experte nun vor dem Verfassungsgericht. Sie fühlen sich in ihrer Berichterstattung, die häufig auf „geleakten“ Datensätzen basiert, durch den neuen Paragrafen bedroht. Außerdem werde „insbesondere die Pressefreiheit, die Rundfunkfreiheit, die Freiheit der Berufsausübung sowie die allgemeine Handlungsfreiheit“ verletzt. Auch die Organisationen Reporter ohne Grenzen, netzpolitik.org e.V. und die Gesellschaft für Freiheitsrechte beteiligen sich an der Verfassungsbeschwerde (hier als PDF einsehbar).

Zwar sind im Gesetz in § 202a Absatz 3 StGB Ausnahmen für Journalisten festgelegt, diese seien aber „zu eng“ und „schlampig formuliert“, so netzpolitik.org. Zwar sei die Veröffentlichung des Materials zur „Erfüllung rechtmäßiger dienstlicher oder beruflicher Pflichten“ erlaubt. Unklar ist allerdings, ob diese Ausnahme auch für nebenberufliche Journalisten oder Blogger gilt. Auch Experten, die oftmals für die Bewertung von geleaktem Datenmaterial notwendig sind, werden nicht geschützt und „riskieren damit Strafbarkeit wegen ‚Datenhehlerei'“.

Das neue Gesetz sei ein „strafrechtliches Minenfeld für investigativ arbeitende Journalisten und ihre Helfer“, sagt der GFF-Vorsitzende Ulf Buermeyer. netzpolitik.org-Gründer Markus Beckedahl meint: „Investigative Journalisten und Blogger dürfen nicht kriminalisiert werden, bloß weil sie ihren Job machen“. Er spricht sich für eine Stärkung der Presserechte, insbesondere auch für Blogger und Experten, aus. ROG-Geschäftsführer Christian Mihr bezeichnet den Datenhehlerei-Paragrafen als „verheerendes internationales Signal“. (fk)

Unterstütze die Initiative und unterzeichne jetzt die Petition

TV-Tipp: „Die Story im Ersten: Das Darknet“

Diese Woche sendete die ARD eine Dokumentation, die einen spannenden Einblick in die „dunkle Welt“ des Darknets gibt. Die 45-minütigen Sendung zeigt neben den kriminellen Seiten auch die positiven Aspekte des Darknets auf. Insbesondere die Wichtigkeit von Verschlüsselungstechnologien bei der Durchsetzung von Meinungs-, Informations- und Pressefreiheit wird in der Dokumentation von Annette Dittert und Daniel Moßbrucker deutlich. Die Sendung lässt sich in der ARD Mediathek ansehen. Auf tagesschau.de gibt es außerdem ein ausführliches Dossier mit Zusatzmaterial. (fk)

Unsere Tipps im Web

Wir wünschen euch nun einen guten Start in die neue Woche!

Autoren dieser PXLNWS: Fabian und Julius
Beitragsbild: Samuel Zeller auf UnsplashCC0 1.0

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Über den Autor

Hallo, ich bin Fabian, 16 Jahre alt und komme aus der Nähe von Stuttgart. Seit meiner Kindheit beschäftige ich mich mit der Fotografie. Außerdem interessiere ich mich sehr für Technik, spannende Zukunftstechnologien, Online-Medien und Webvideo. Hier auf PXLMAG bin ich als Chefredakteur für die Produktion und Korrektur von Inhalten verantwortlich, außerdem leite ich die Social Media Kanäle von PXLMAG.