Ermittler möchten in einem Mordfall den smarten Lautsprecher Amazon Echo als Beweismittel nutzen – Amazon weigert sich bisher aber, die Daten herauszugeben und beruft sich auf den Datenschutz. Die Hintergründe zu einem speziellen Fall für die Justiz.

Dass wir irgendwann anfangen würden, mit Gadgets zu sprechen, wusste Arthur C. Clarke schon 1968. In seinem später von Stanley Kubrick verfilmten Roman „2001 – Odyssee im Weltraum“ ersann er den Supercomputer HAL 9000, der mit den Astronauten über Sprache kommunizierte. Während dieser in der Erzählung am 12. Januar 1997 in Betreib genommen wird, datierte Kubrick den Geburtstag des Supercomputers auf das Jahr 1992 zurück. 1997 – darin war sich der Regisseur sicher – würden Computer bereits mehr können als HAL 9000, der in Film wie Buch selbstbewusst behauptet, keine Fehler zu machen und der Perfektion tatsächlich ziemlich nahe kommt.

Angesichts dessen ist es schon fast ein wenig enttäuschend, dass sprechende und zuhörende Gadgets fast zwanzig Jahre länger auf sich warten ließ als von Clarke prophezeit. Erst im letzten Jahr konnten diese Geräte kamen diese Geräte ihrem Durchbruch einen Schritt näher. Ein paar Monate, nachdem Google auf der Entwicklerkonferenz I/O mit Google Home ihren eigenen smarten Lautsprecher vorgestellt hatten, kündigte Amazon an, sein eigenes Produkt Echo ab Oktober 2016 auch in Deutschland zu verkaufen. Per Sprachbefehl können je nach Konfiguration bestimmte Aktionen gesteuert oder Informationen abgerufen werden – ähnlich wie es Siri oder der Google Assistent auf dem Smartphone können. Anders als häufig behauptet zeichnet Amazon Echo dafür nicht ständig auf, was in seiner Umgebung gesagt wird. Erst durch ein so genanntes „Hotword“ wird eine Aufzeichnung gestartet. Perfekt ausgereift ist diese Technik allerdings noch nicht: Häufig werden Aufzeichnungen fälschlicherweise aktiviert, obwohl das „Hotword“ nie gefallen ist. Und genau diese Eigenschaft macht Amazon Echo nun für Ermittler interessant.

Ermittler wollen Amazon Echo als Beweismittel nutzen

Sie erhoffen sich von den Aufzeichnungen neue Erkenntnisse in einem bisher ungeklärten Mordfall. In Bentonville, Arkansas wurde ein man in einem Whirlpool tot aufgefunden. Laut Obduktion starb er durch Ertrinken, wies aber zahlreiche weitere Verletzungen auf. Der Hausbesitzer, der von der Polizei dringend verdächtigt wird, die Tat begangen zu haben, setzte in seinem Heim zahlreiche smarte Gadgets ein. Unter anderem einen digitalen Wasserzähler, an dessen Daten die Ermittler feststellen konnten, dass zwischen ein und drei Uhr Nachts rund 530 Liter Wasser verbraucht worden waren. Dieser ungewöhnlich hohe Wasserverbrauch – so die Theorie der Polizei – sei das Resultat eines Versuchs, Spuren zu verwischen.

Der Beschuldigte selber streitet die Tat ab. Er sei gegen ein Uhr zu Bett gegangen und habe das spätere Opfer zusammen mit einem anderen Bekannten im Whirlpool zurückgelassen. Im Gegensatz zum Hauptverdächtigen wies jener laut eines Zeugen jedoch keine sichtbaren Verletzungen auf, die auf einen Kampf hindeuteten. Für kleinere Verletzungen und Kratzer machte der Hausbesitzer gegenüber die Polizei Training im Freien und seine Katzen verantwortlich. Auch die Telefonnutzung des Verdächtigen war in die Ermittlungen eingeflossen. Nach ein Uhr wurden von seinem mit einem Passcode gesicherten Smartphone mehrere SMS verschickt – unter anderem an den Bekannten, den der Verdächtige angeblich mit dem Mordopfer im Whirlpool allein ließ.

Amazon schützt den Kunden

Die von Amazon Echo aufgezeichneten Daten sollen nun etwas Klarheit in diese Ansammlung von Indizien bringen. Doch Amazon weigert sich bislang, der Polizei die Aufzeichnungen zur Verfügung zu stellen. Der US–Konzern gewährte den Ermittlern zwar Zugriff auf das Amazon-Konto des Hausbesitzers, stellte ihnen jedoch keine weiteren Daten zur Verfügung. Auch die Anwältin des Verdächtigen versucht, eine Nutzung dieser für Ermittlungszwecke zu verhindern. Ihrer Ansicht nach verlasse sich die Polizei zu sehr auf die Indizien der technischen Geräte.

Der Fall wirft die Frage auf inwieweit smarte Geräte bei der Aufklärung solcher Fälle herangezogen werden sollten. Während sich die Ermittlungsbehörden Aufklärungserfolge erhoffen, fürchten Datenschützer um die Privatsphäre der Nutzer. Wenn Ermittlern immer Zugriff auf diese Daten gewährt wird, ist dann nicht der Überwachung zumindest bis zur Urteilsverkündung unschuldiger Menschen Tür und Tor geöffnet? Und sind diese Aufzeichnungen überhaupt präzise genug, um als Beweismittel herhalten zu können. Denn genau wie HAL 9000 machen auch smarte Geräte Fehler – obwohl sie gerne den Anschein erwecken, perfekt zu sein.

Beitragsbild: Amazon Presse

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Über den Autor

Hallo, ich heiße Julius und bin 19 Jahre alt. Ich bin immer auf der Suche nach neuen interessanten Apps und schreibe hier beim PXLMAG vor allem über Selbige. Aber auch über andere Themen rund um Technik, die mich interessieren, finden hier ihren Platz.