„Endless-Spiele“ konnten im Rückenwind der wachsenden Smartphone-Industrie einen erstaunlichen Aufstieg feiern. Von „Doodle Jump“ über „Temple Run“ bis hin zu „Crossy Road“ schafften in den vergangenen rund sechs Jahren viele Games dieser Art den Sprung an die Spitze der AppStore-Charts. Sie folgen dabei alle einem ähnlichen Konzept: Irgendetwas muss möglichst lange überstanden werden. Sei es, über sich bewegende Plattformen zu springen, vor einem affenartigen Monster wegzurennen oder eine Straße zu überqueren, ohne dabei überfahren zu werden. Meist werden diese Spiele völlig ohne Kontext serviert und geben sich nicht einmal die Mühe, zu erklären, warum das Hühnchen nun unbedingt eine mehrspurige Straße überqueren muss.

Dieses fehlen einer über das Spieltischen gestülpten Geschichte muss per se nichts Schlechtes sein. Einige der erfolgreichsten Spiele der Anfangszeit des Gamings kamen schließlich ebenfalls komplett ohne Geschichte aus: Tetris, Pong oder Pacman konzentrierten sich auf das Gameplay und benötigten keine Geschichte rund ums Klötzchen stapeln, Tennis spielen oder Monster fressen. Wie die oben genannten erfolgreichen Apps kehrt aus Madness Road in diesem Aspekt zu den Anfängen der Spielegeschichte zurück und verzichtet komplett auf jegliche Form der Erzählung.

Absurd, simpel und stupide

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Die Umgebung ist an „MAD MAX“ angelegt, das Spiel orientiert sich grafisch allerdings eher an „Crossy Road“.

Madness Road folgt einem Konzept, das mit „eine Mischung aus absurd, simpel und stupide“ wohl am besten umschrieben wäre: Ihr brettert mit einem der vielen freischaltbaren Fahrzeuge durch die Wüste, während ihr dabei versucht, so viele Zombies wie möglich zu überfahren. Für jeden Untoten, der unter die Räder kommt, gibt es dabei einen Punkt. Diese bewegen sich dabei ohne wirklich erkennbares Muster. Sie versuchen nicht, vor dem Fahrzeug zu fliehen, laufen aber auch nicht blind in ihr Verderben. Auch die Gebäude auf der zufällig generierten und frei befahrbaren Karte können zerstört werden. Dies sieht zwar nicht schlecht aus, bringt aber leider keine Punkte.

Während eurer Fahrt verbraucht ihr Kraftstoff, der in „Madness Road“ aber im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße liegt. Auf der Karte lassen sich Kanister und Fässer finden, die 30 beziehungsweise 50 Prozent des Tanks wieder aufladen. Da das Spiel euch keinen Hinweis gibt, wo diese zu finden sind, können sie nicht gezielt angesteuert, sondern ausschließlich durch Zufall gefunden werden. Taktisches oder besonders sparsames Fahren, um das Liegenbleiben aufgrund eines leeren Tanks doch noch zu verhindern, ist somit kaum möglich. Optional könnt ihr nach einem Game Over einen circa 30 Sekunden lang Werbeclip ansehen, um eure Fahrt mit vollem Tank doch noch fortzusetzen. Auch die Power-Ups, die dem Auto für kurze Zeit eine besondere Spezialfähigkeit verliehen, sind zufällig auf der Karte verteilt.

Abwechslung ist Mangelware

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Auch Gebäude können zerstört werden. Das sieht zwar nicht schlecht aus, bringt aber leider keine Punkte.

Im Laufe des Spiels schaltet ihr weitere Fahrzeuge frei, die sich in Kategorien wie Höchstgeschwindigkeit, Haltbarkeit oder Kraftstoffverbrauch unterscheiden. Dabei sind tatsächlich die Unterschiede zwischen den fahrbaren Untersätzen zu spüren: Das Wohnmobil ist nicht ganz so schnell und wendig wie ein Kleinwagen, bliebt dafür aber auch nicht so schnell mit Spritmangel liegen. Neue Fahrzeuge könnt ihr entweder nach dem Zufallsprinzip gewinnen oder per In-App-Kauf direkt erwerben. Für Preise zwischen 0,99 und 3,99 Euro gibt es eine große Auswahl an verschiedenen Fahrzeugen, die in drei Leistungsklassen eingeteilt sind.

Durch diese In-App-Käufe wird dem Spiel aber auch ein Grund genommen, es überhaupt zu spielen. Das Freischalten der anderen Autos ist neben den Erfolgen der einzige merkbare Fortschritt; die einzige Motivation, das Spiel länger zu spielen. Insgesamt bietet Madness Road nämlich schlicht zu wenig Abwechslung. Es gibt nur einen einzigen Spielmodus, der immerhin in zwei Ausrichtungen gespielt werden kann. Im Querformat müsst ihr auf die linke und rechte Hälfte des Bildschirms tippen, um das Auto in die entsprechende Richtung zu lenken. Im Hochformat reicht dafür ein Wischen mit dem Daumen.

„MAD MAX“ trifft „Crossy Road“

Die App verbindet ihr postapokalyptische, „MAD Max“-ähnliche Welt mit der Optik des erfolgreichen „Crossy Road“ – mit dem Unterschied, das die Umgebung in „Madness Road“ etwas weniger Niederschlag abzubekommen scheint. Braun und Oliv dominieren die Szenerie. Somit steht die Grafik in einem Kontrast zum Spielgeschehen: Ihr fahrt mit eurem Auto Wellen von Zombies nieder, während die Grafik im freundlichen Pixel-Retro-Look daherkommt. Häuser und Untote zerfallen wie Lego-Gebilde in ihre Einzelteile, was teilweise absurde Situation entstehen lässt. So wird das Fahrzeug aufgrund eines Haufens aus Zombies und Gebäudeteilen gerne mal ein wenig durch die Luft geschleudert. Man stelle sich vor, die Entwickler hätten eine realistischere Anmutung gewählt: Madness Road wäre deutlich brutaler, obwohl sich am grundlegenden Prinzip nichts geändert hätte.

Madness Road macht für ein paar Runden Zwischendurch durchaus Spaß, kann aber nicht viel länger als ein paar Runden am Stück nicht wirklich unterhalten. Es ist mit seiner Pixel-Retro-Grafik zwar ganz nett anzusehen, bietet aber mit nur einem Spielmodus insgesamt zu wenig Abwechslung. Anders als bei „Crossy Road“, „Doodle Jump“ oder „Temple Run“ könnt ihr in vielen Fällen schlicht nichts für einen Game Over. Ihr scheidet nicht aus, weil ihr einen Fehler macht – Ihr scheidet aus, weil ihr nicht das Glück habt, im richtigen Moment einen Benzinkanister zu finden. Dies kann mit der Zeit durchaus frustrierend sein. Hinzu kommt, dass das Spiel vor allem auf älteren Geräten mit relativ langen Ladezeiten und einer hin und wieder stark einbrechenden Bildrate zu kämpfen.

 

 

PXLMAG Wertung

6.5 In Ordnung

Madness Road kann mit seinem simplen Konzept für ein paar Runden durchaus Spaß machen - mehr aber auch nicht. Zwar ist die Grafik im Stil von "Crossy Road" ansehnlich, kann aber nicht über die fehlende Abwechslung hinwegtäuschen.

  • Grafik 8.5
  • Gameplay 6.5
  • Umfang 5
  • Preis/In-App-Käufe 6
  • User Ratings (0 Votes) 0
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Über den Autor

Hallo, ich heiße Julius und bin 19 Jahre alt. Ich bin immer auf der Suche nach neuen interessanten Apps und schreibe hier beim PXLMAG vor allem über Selbige. Aber auch über andere Themen rund um Technik, die mich interessieren, finden hier ihren Platz.