Wie konsumieren wir Nachrichten? Vor ein paar Jahrzehnten wäre diese Frage noch einfach zu beantworten gewesen, schließlich beschränkten sich die tagesaktuellen Medien weitgehend auf Fernsehen, Radio und Zeitung. Durch das Internet hat sich dieser Medien-Dreiklang deutlich erweitert. Inzwischen schauen wir in die sozialen Netzwerke, sammeln die Artikel hunderter Seiten in einem RSS-Feed und klappern unsere Lieblingsseiten und -blogs ab – meist nicht ohne (nervig) darauf hingewiesen zu werden, dass die Startseite in der Zwischenzeit aktualisiert worden sei. Jeder hat seinen eigenen Medien-Mix; meist zusammengestellt mit dem Ziel, möglichst schnell über alles Relevante informiert zu werden und nach Möglichkeit tiefer in ein Thema eintauchen zu können. Auf der anderen Seite soll es keine Überdosis an Nachrichten geben, die einen den Überblick komplett verlieren lässt.

Nachrichten als WhatsApp-Nachricht

resi4Zahlreiche Apps und Angebote haben sich zum Ziel gesetzt, genau diesen Drahtseilakt zu schaffen. Yahoo’s News Digest versucht diesen seit rund zwei Jahren. Die App stellt zweimal am Tag um die zehn wichtige Meldungen aus verschiedenen Ressorts zusammen. In der Zwischenzeit aktualisieren sich diese nicht. Das Angebot soll dem Leser so das Gefühl geben, irgendwann „fertig“ zu werden und umfassend informiert zu sein. Die App Resi verfolgt einen anderen interessanten Ansatz und verbindet Nachrichten mit einem Messenger. Einige Seiten bieten bereits seit längerem einen Service an, mit dem sie die große Verbreitung von WhatsApp für sich zu nutzen versuchen. Die Satire-Seite „Der Postillion“ sendet beispielsweise bereits seit längerem täglich bis zu drei neue (oder neu aufgewärmte) Artikel über den populären Messenger.

Resi geht in eine ähnliche Richtung – mit der Ausnahme, dass die App nicht auf Artikel verlinkt, sondern die Neuigkeiten in kurzen Texten übermittelt, die auch in eine WhatsApp-Mitteilung passen würden. Nach einer kurzen Nachricht, die das Thema in einem Satz kurz anschneidet, kann der Nutzer mit der App interagieren – oder, besser gesagt, er kann auf diese reagieren. Denn die Möglichkeiten beschränken sich darauf, eine von maximal drei vorgeschlagenen Antworten anzutippen. Im Wesentlichen hat man die Wahl, eine Nachricht zu überspringen oder tiefer in das Thema einzutauchen. Dabei versucht Resi, den Wissensstand des Nutzers einzubeziehen. Bei Nachrichten über das Freihandelsabkommen CETA gibt Resi zum Beispiel die Möglichkeit, sich erst einmal grundlegend über das Thema zu informieren, bevor man die Nachricht ließt.

Gefahr der „Filterblase“?

resi6Will man mehr über ein Thema erfahren, als in eine WhatsApp-Nachricht passt, endet dies nach ein paar Mitteilungen, die den Kontext erläutern und weitere wichtige Informationen hinzufügen, in vielen Fällen mit einem Link auf einen ausführlichen Artikel unterschiedlicher Quellen. Dabei versendet die virtuelle Gesprächspartnerin regelmäßig GIF-Dateien und baut passende Emojis in die kurzen Texte ein. Vermutlich um die Illusion zu unterstützen, auf der anderen Seite säße tatsächlich ein Kumpel, der einen über die Neuigkeiten auf dem Laufenden hält.

Im Gegensatz zu einem normalen Artikel hat man bei Resi also die Wahl, wie viel man über ein Thema erfahren möchte. Bestimmte Themengebiete können als Favoriten markiert werden, zu denen die App Push-Mitteilungen sendet. So soll verhindert werden, dass der Chat-Bot die Hinterlassenschaften männlicher Rinder per Eilmeldung mitteilt. Allgemeine Felder wie „Wirtschaft“ können genauso zu den Favoriten hinzugefügt werden wie spezielle Gebiete wie der NSU-Prozess. Nach einer Nachricht über einen großen Fernbus-Anbieter wurde sogar die Kategorie „Flixbus“ vorgeschlagen.

Hier muss Resi den schwierigen Spagat meistern, möglichst umfassend zu informieren, ohne den Nutzer mit zu vielen Mitteilungen zu nerven, die ihn nicht interessieren. Ansonsten springt der Leser ab – oder aber es droht auch hier das aus den sozialen Netzwerken bekannte Phänomen der „Filterblase“. Als eine Art Gegenpool zum schnellen alltäglichen Nachrichten-Geschäft empfiehlt Resi zudem an einigen Tagen einen Longread. Dieser sorgt für Abwechslung und lässt den Nutzer den ein oder anderen interessanten Artikel entdecken.

Gewisser Fluss an Nachrichten

resi7Resi soll für einen gewissen Fluss an Neuigkeiten sorgen, ohne den Nutzer an einer Überdosis Nachrichten sterben zu lassen. Wenn keine relevanten News mehr übrig sind, teilt Resi dies tatsächlich mit und verabschiedet sich mit einer passenden GIF-Datei. Das „Gespräch“ kann im Übrigen anders als bei Siri oder dem Google Assistent nicht selber auf ein Thema gelenkt werden. In diesem Punkt bietet die App noch jede Menge Potential für zukünftige Verbesserungen. Nach Fragen wie „Was passiert beim FC Bayern?“ Nachrichten zum Fußballverein aus der bayrischen Landeshauptstadt anzuzeigen könnte ein Feature werden, um Resi auf ein neues Level zu heben. Auch Nachfragen zum Kontext einer Nachricht wären eine gute Ergänzung, die das Gesamtpaket weiter verbessern würden. Der Google Assistent schlägt sich bei diesen Fragen bereits sehr gut; eine solche Funktion könnte also nicht mehr allzu weit in der Zukunft liegen.

Noch ist unklar, wie die App des ehemaligen Social-Media-Chefs der „Welt“, Martin Hoffman, ihr Geld verdienen möchte. Von klassischen Werbebannern über In-App-Käufe bis hin zu der mit dem Schlagwort „Native Advertising“ umschriebenen Form der Werbung wäre hier vieles möglich. Vor allem Letztere könnte aufgrund der ungewöhnlichen Form der App besonders wirksam sein. Allerdings dürfen die Entwickler hier das Thema Transparenz nicht aus den Augen verlieren. Wenn ihnen immer wieder unzureichend gekennzeichnete Werbung zwischen den Nachrichten versteckt wird, besteht die Gefahr, dass die Nutzer ihr Vertrauen in die App als Nachrichtenquelle verlieren.

Fazit zu Resi: Interessanter Ansatz für die Zukunft

resi5Hinter Resi steckt ein interessanter Ansatz. Nachrichten in einer Art Messenger zu präsentieren, ist ein durchaus innovatives und bisher nur selten erprobtes Konzept. Damit wird sie sicher keine richtige Nachrichtenseite ersetzen. Es wird wohl nicht viele geben, die sich einen langen und ausführlichen Artikel in Form von Messenger-Nachrichten durchlesen würden. Aber ausführliche Hintergrundartikel sind ohnehin nicht das, was Resi leisten will. Vielmehr sieht sich die App als Service, um Nutzer in wenigen Nachrichten auf den aktuellen Stand zu bringen, indem sie die wichtigsten Informationen kurz zusammenfasst.

Personalisierte Push-Mitteilungen sind zudem ein interessantes Feature, bei dem man sich unweigerlich fragt, wieso dieses nicht von mehr Nachrichten-Apps genutzt wird. Wir können uns im Internet noch besser als früher unseren eigenen Medien-Mix zusammenstellen. Warum lassen uns so wenige Apps wählen, wozu wir Push-Mitteilungen bekommen wollen? Wenn Resi anfängt, wirklich mit dem Nutzer zu interagieren und ihn aktiv Themen einbringen lassen, anstatt ihm lediglich ein paar Antworten vorzuschlagen, dann könnte Resi der Durchbruch gelingen.

Resi ist aktuell ausschließlich für iOS verfügbar, eine Version für Android soll aber schon bald folgen. Auf der Webseite kann man sich bereits in eine E-Mail-Warteliste eintragen.

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Über den Autor

Hallo, ich heiße Julius und bin 19 Jahre alt. Ich bin immer auf der Suche nach neuen interessanten Apps und schreibe hier beim PXLMAG vor allem über Selbige. Aber auch über andere Themen rund um Technik, die mich interessieren, finden hier ihren Platz.