Eigentlich könnte ich es mir mit diesem Review sehr einfach machen und auf Madden beziehungsweise NBA Live mobile verweisen. Ich könnte euch im Fazit mit Phrasen wie „Wem Madden mobile gefiel, der wird auch FIFA mobile mögen“ abspeisen – und vermutlich wäre das nicht mal gelogen. Schließlich folgt die App genau dem gleichen Konzept wie die beiden erwähnten Spiele. Auch die mit großem Abstand erfolgreichste Fußballsimulation – seit nunmehr mehr als zwanzig Jahren in jedem Frühherbst zuverlässig ein Bestseller – wird in das Korsett gezwängt, in dem EA die Zukunft seiner mobilen Sportspiele zu sehen scheint. Anders als in den Jahren zuvor wird es also keinen mobilen Ableger mit Fokus auf den „FIFA Ultimate Team“-Modus geben, der jede Saison aufs neue erscheint. Stattdessen soll die App regelmäßig mit Updates und neuen Spielern versorgt werden. Wie gut FIFA mobile ist, lest ihr in diesem Test.

Der Moment am Anfang eines Fan-Seins

fifamobile2Am Anfang jedes Fan-Seins steht meist ein Moment; ein ganz persönlicher, ikonischer Moment, der in vielen Fällen gleichzeitig die erste Erinnerung an das Verehrte ist. Für den Fußball kam dieser Moment für mich am 23. Juni 2004. Im letzten Gruppenspiel der Europameisterschaft traf Deutschland auf die Nachbarn aus Tschechien. Damals war die Nationalmannschaft noch nicht die Ansammlung an Talent, die sie heute ist. Stattdessen durften Spieler wie Andreas Hinkel und Jens Nowotny den Kurzausflug nach Portugal antreten, der bereits nach der Vorrunde wieder vorbei war. An diesem Juni-Abend war mein siebenjähriges Ich begeistert davon, dass die Tschechen den Ball sogar per Kopf zu ihren Kollegen befördern konnten, während dies ihren Gegenspielern meist nicht einmal mit dem Fuß gelang. Von diesem Spiel an war Fußball für mich die nächsten Elf Jahre das sportliche Maß aller Dinge. Dann kam der Basketball, aber das ist eine andere Geschichte…

In der Zwischenzeit probierte ich den ein oder anderen Teil der FIFA-Reihe aus – unter anderem auf dem Smartphone, für das es bis vor einigen Jahren noch ein komplettes Premium-Spiel inklusive vieler Spielmodi gab. Mit diesen Teilen hat FIFA mobile nicht mehr allzu viel gemein. Wäre dies meine erste Berührung mit Fußball gewesen – vermutlich wäre meine Faszination für den Sport ein paar Stufen niedriger ausgefallen.

Trainer und Manager in Personalunion

Zu Beginn wählt ihr euch ein Team aus, dessen Logo und Trikots euer Verein nutzen wird. Genau wie das Stadion, von denen mit steigendem Level weitere freigeschaltet werden, kann beides im übrigen später noch geändert werden. Alle in FIFA verfügbaren Teams stehen euch dabei zu Verfügung, haben aber abgesehen vom optischen keinerlei Effekt auf das Spiel. Egal, ob ihr als englischer Viertligist oder deutscher Meister beginnt – ihr findet zu Beginn immer eine Ansammlung an Spielern vor, die mit „Scherbenhaufen“ wohl noch zu freundlich umschrieben würde. Euer Kader beinhaltet einige der schlechtesten Akteure, die FIFA zu bieten hat.

Als Trainer und Manager in Personalunion geht es nun darum, den Kader Schritt für Schritt zu verbessern und ein schlagkräftiges Team zusammenzustellen. Selbiges ist in Angriff, Mittelfeld und Abwehr unterteilt. Für jeden Bereich stehen euch eine gewisse Anzahl an Spielern bereit, die je nach gewählter Taktik und Spielweise zum Einsatz kommen. Am Anfang könnt ihr euer Team beispielsweise in einem klassischen 4-4-2 aufs Feld schicken und über die Außen angreifen lassen. Mit steigendem Level werden weitere Aufstellungen und taktische Möglichkeiten freigeschaltet. Vor allem bei letzterem ist leider kein Unterschied zu spüren, der das Spiel merklich beeinflusst.

In-App-Käufe, aber kein Pay-to-Win

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Die FIFA Points können ganz schön ins Geld gehen

Ihr habt nun verschiedene Möglichkeiten, um an neue Spieler zu kommen. Packs, einer der (finanziellen) Erfolgsgaranten des „FIFA Ultimate Team“ Modus, sind natürlich auch in FIFA mobile vorhanden. Anfänger- und Pro-Sets für 3.500 beziehungsweise 7.500 Ingame-Münzen sind immer verfügbar, weitere spezielle Packs sind hin und wieder für kurze Zeit zu haben. Alles, was preislich oberhalb des Anfänger-Sets liegt, könnt ihr zudem auch mit FIFA-Points kaufen. Diese lassen sich anders als die Münzen nicht im Spiel verdienen, sondern ausschließlich gegen Echtgeld kaufen. In typischer Free-to-play Manier können diese richtig ins Geld gehen: Wer will, kann bis zu 99,99 Euro in das Spiel stecken.

Es ist also durchaus möglich, sich einen Vorteil zu erkaufen. Da die Spiele gegen andere Spieler jedoch meist nur asynchron abläuft – dazu später mehr – kommt das gefürchtete „Pay to win“ in FIFA mobile eher weniger zum tragen. Das Spiel setzt stattdessen an der Ungeduld einiger Spieler an. Anstatt lange spielen zu müssen, um genug Münzen für den gewünschten Spieler zu sammeln, kann die Wartezeit durch die Punkte deutlich verkürzt werden. Ansonsten kann der ersehnte Topstar selbst nach vielen Stunden Spielzeit noch weit entfernt sein.

Langes Spielen wird belohnt

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Sammelt man genug Objekte, wird man mit einem Set belohnt.

Typische Elemente eines Free-to-play Spiels sind auch an anderen Stellen in FIFA mobile zu finden. Jeden Tag gibt es verschiedene Live-Events, in der ihr unterschiedliche Aufgaben absolvieren müsst. Im Endeffekt handelt es sich dabei um nicht viel mehr als kleine Mini-Spiele rund um Passen, Dribbeln und Schießen. Immerhin sind diese in abwechslungsreiche Aufgaben verpackt, obwohl sie spielerisch sicher nicht zu den besten Teilen von FIFA mobile gehören. Für jedes erfolgreich absolvierte Event erhaltet ihr ein Sammelobjekt, das in einem der zahlreichen so genannten Pläne verwendet werden kann. Habt ihr genug Objekte gesammelt, werdet ihr mit einem anderen, meist besseren Objekt oder einem Spieler belohnt.

FIFA mobile kommt mit einer wahren Masse an Plänen daher, die alle mehr oder weniger einfach zu komplettieren sind und dementsprechend viel Zeit in Anspruch nehmen können. Es kann eine Weile dauern, zu erkennen, welche sich wirklich lohnen und wo zu viel Aufwand für zu wenig Ertrag betrieben werden muss. Mit dieser Mechanik soll der Nutzer möglichst lange am Spiel gehalten und regelmäßiges Einloggen gefördert werden. Wer nicht jeden Tag vorbeischaut, läuft Gefahr, ein Event zu verpassen, dass für einen Plan besonders wichtig ist. Das Spiel fördert so, seltene und damit wertvolle Events oft zu wiederholen, um schnell möglichst viele Sammelobjekte zusammenzubekommen. Die Hemmschwelle, das Spiel wieder zu deinstallieren, wird so mit jedem gespielten Live-Event größer.

Steuerung geht in Ordnung

Obwohl sie genau das Gegenteil von den eben genannten Features bewirkt, hat auch die Energieleiste wieder einmal den Weg in das Spiel gefunden. Sie schrumpft mit jeder absolvierten Partie und mit jedem Event in sich zusammen und verhindert so, dass man das Spiel länger am Stück spielen kann. Wenn diese aufgebraucht ist, müsst ihr entweder warten oder aber Echtgeld investieren. Vor allem a Anfang besteht so die Gefahr, dass ein Nutzer frustriert abspringt, bevor er den ersten Euro in das Spiel investiert hat. Auch spielerisch nutzt die Energieleiste wenig.

Doch genug zu allem rundherum – oder, wie der Fußballer sagen würde: „Entscheidend ist auf´m Platz.“ Die Steuerung beschränkt sich auf wenige Elemente. Mit einem Joystick könnt ihr den Spieler in alle Richtungen bewegen, in der Offensive gibt es drei Tasten für Pass, Schuss und Sprint. Letztere löst nach zweimaligem Antippen einen Trick aus – welchen, könnt ihr nicht selber steuern. Auch die Defensive lässt sich über drei Tasten kontrollieren – Sprint/Zweikampf, Grätsche und Spielerwechsel. Für ein Mobile Game, das ohne zusätzliche Hardware spielbar sein muss, ist diese Reduzierung fast nicht zu vermeiden.

“Auf‘m Platz“ mit einigen Schwächen

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Offensiv wie Defensiv beschränkt sich die Steuerung auf einen Joystick und drei Knöpfe.

Abgesehen davon zeigt das Spiel „Auf´m Platz“ leider einige Schwächen. Vor allem online leidet das Spiel unter wenig sinnvoll umgesetzten Spielmodi. Hinter dem „Angriffsmodus“ verbirgt sich ein asynchroner Multiplayer gegen echte Gegner, bei denen jeder je eine Hälfte gegen die CPU-gesteuerte Mannschaft des anderen absolviert. Wie der Name schon andeutet, lassen sich lediglich die offensiven Ballbesitze steuern. Gerät das Team in die Defensive, folgt ein Schnitt und das Spiel wird mit eurem nächsten offensiven Ballbesitz fortgesetzt. Was in der Zwischenzeit passiert, erfahrt ihr nicht.

Die entscheidend Schwäche dieses Modus: Ihr habt nicht nur keinerlei Einfluss auf die Verteidigung, auch im Angriff – um den es in diesem Modus eigentlich vorrangig gehen sollte – seid ihr meist nur das letzte Glied in der Kette. Oft könnt ihr erst relativ spät wieder die Kontrolle übernehmen. Nicht selten lauft ihr da schon mit drei Spielern auf den letzten und dementsprechend überforderten Verteidiger zu. So wird es einfach, den Angriff zu vollenden, auf dessen Entstehung ihr keinerlei Einfluss hattet. Ihr müsst lediglich einen von der CPU vorgegebenen Vorteil ausnutzen. Immerhin stellt das Rang-System sicher, dass die Kontrahenten Mannschaften vergleichbarer Stärke besitzen.

Saison als einziger Offline-Modus

Der zweite Online-Modus hört auf den Namen Liga und besteht wenig überraschend daraus, sich in einer Spielklasse mit anderen Managern zu messen. Dafür könnt ihr eine Liga erstellen oder einer bereits vorhandenen beitreten – wenn es denn funktioniert. In der Liste tauchen viele Ligen auf, die das Limit an ausstehenden Bewerbungen bereits erreicht haben. Und selbst wenn die Bewerbung zustellt werden kann, ist noch lange nicht sicher, ob diese auch wirklich angenommen wird. Die Gründung einer eigenen Liga schafft leider nur bedingt Abhilfe. Für einen vernünftigen Spielbetrieb benötigt man erst einmal selber genug Mitspieler, die allerdings schwer zu finden sind, wenn die eigene Liga in der Masse an anderen Spielklassen untergeht. Der eigentlich interessante Ansatz scheitert schlicht daran, überhaupt eine funktionierende Liga zu finden beziehungsweise diese zu gründen. Ich habe es mehrmals versucht und schlicht nicht geschafft, weswegen ich die Qualität der Liga hier nicht bewerten kann.

Als einziger wirklicher Offline-Modus verbleibt die Saison. Nachdem ihr eine Liga ausgewählt habt, absolviert ihr volle Spiele gegen Teams dieser Liga – wenn auch in einem deutlich reduzierten Umfang. In der Bundesliga müsst ihr beispielsweise keine 34 Spiele absolvieren. Stattdessen geht es in erster Linie darum, ein bestimmten Punktestand zu erreichen. Wie gewohnt lässt EA hier wieder seine Lizenz-Muskeln spielen. Alle im „richtigen“ FIFA vertretenen Ligen inklusive Teams, Kader, Wappen und Trikots lassen sich auch im mobilen Ableger finden. Dies ist sicherlich ein Grund dafür, dass FIFA die Konkurrenz vom Pro Evolution Soccer gemessen an den Verkaufszahlen jedes Jahr aufs neue in den Schatten stellt. Die potentiellen Käufer wollen mit richtigen Teams und Spielern antreten, anstatt sich mit Fantasy-Teams zu messen. Zwar konnte PES in diesem Bereich schon deutlich aufholen, kommt aber weiterhin nicht an die umfangreichen Lizenzen des Mitbewerbers heran.

Schwache Grafik, KI mit Aussetzern

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Vor allem an den Texturen im Hintergrund wird die reduzierte Grafik deutlich

Leider werden in diesem Spielmodus die Probleme mit der KI besonders deutlich. Hin und wieder versucht sich die gegnerische Mannschaft in wenig sinnvollen Angriffen, bei denen ein Spieler seine Teamkameraden ignorierend blind nach vorne läuft, bis ein Verteidiger ihm den Ball abnimmt. Zudem spielen sie den Ball nach dem Anstoß gerne mal wahlweise direkt zum Gegner oder ins Aus – oder laufen sehr unlogische Wege. So schlug ein Gegner mit freiem Weg aufs Tor ohne erkennbaren Grund einen Haken, durch den der eigentlich schon abgehängte Gegenspieler doch noch in den Zweikampf kam.

Fairerweise muss gesagt werden, dass diese Probleme nicht ständig auftreten; jedoch leider oft genug, um zu das Spiel zu stören. Auch die Schiedsrichter-KI in FIFA mobile kommt nicht ohne Fehler aus. Die Unparteiischen pfeifen gerne auch dann mal die Hälfte ab, wenn ihr oder euer Gegner frei vom Torhüter auftaucht. Dies ging so weit, dass ein Schiedsrichter sogar während(!) eines Schusses abpfiff, der später zum Tor wurde.

FIFA ist nicht nur ein Sportspiel, sondern auch eine Tech-Demo, die zeigen soll, was die Engine in Kombination mit entsprechender Hardware leisten kann. Für die mobilen Ableger gilt dieser Grundsatz aufgrund der schwächeren Hardware nicht. Schon vor Jahren sah das Spiel auf der Playstation 2 deutlich besser aus als auf dem Nintendo DS. Auch hier ist dies nicht anders: FIFA mobile ist wahrlich kein schönes Spiel. Vor allem bei Szenen wie dem Torjubel fällt auf, dass sich in diesen Bereichen im Vergleich zu früheren Teilen nicht viel getan hat. Einige Sequenzen und Texturen kamen bereits vor vier Jahren in FIFA 13 zum Einsatz. Zudem sehen viele Texturen im Hintergrund so aus, als seien sie direkt von der Playstation 2 übernommen worden. Dank dieser grafischen Limitierung läuft das Spiel auch auf älteren Geräten weitgehend problemlos, sieht allerdings auch nicht so gut aus wie die Konkurrenz.

Mein Fazit zur FIFA mobile

Wer das komplette Lizenz-Paket mit allen Ligen, Teams und Spielern haben möchte, wird auch mobil nicht um FIFA mobile herumkommen. Dieses Argument hat EA unabhängig von der Qualität ihres Spiels immer auf ihrer Seite. Zudem sorgen die vielen unterschiedlichen Live-Events für Abwechslung, obwohl sie spielerisch sicher nicht zu den Höhepunkten des Spiels gehören. Alle, die einfach nur spielen wollen, könnten am Saisonmodus ihren Spaß haben. FIFA mobile gelingt es außerdem sehr gut, die Sammelleidenschaft seiner Nutzer anzusprechen. Auf den Wunschspieler sparen, Objekte sammeln und Packs öffnen – all das kann durchaus seinen Reiz haben.

Abgesehen davon hat FIFA mobile leider zu wenig zu bieten. Angefangen bei wenig sinnvoll umgesetzten Modi über eine schwache KI mit teilweise katastrophalen Aussetzern bis hin zur alles andere als herausragenden Grafik leistet sich die App ein paar Schwächen.

Die typischen Free-to-Play Mechaniken wie die Energieleiste sind ebenfalls Bestandteile des Spiels. Sie macht das Spiel in keiner Weise besser (eher im Gegenteil), sondern dient lediglich dazu, das Spiel besser zu monetarisieren. Obwohl die Spielerschaft, wenn sie nicht zu der Gruppe gehört, die Mobile Games und Free-to-play grundsätzlich ablehnen, solche Mechanismen weitgehend akzeptiert zu haben scheint, müssen diese doch weiterhin negativ angerechnet werden. Natürlich muss der Entwickler eines solchen Spiels versuchen, das Geld zu verdienen, das der Kunde ihm zuvor nicht zahlen wollte. Dennoch sollten diese Maßnahmen dem Spielspaß nicht im Wege stehen.

FIFA Mobile Fußball
Entwickler: ELECTRONIC ARTS
Preis: Kostenlos+
FIFA Mobile Fußball
Entwickler: Electronic Arts
Preis: Kostenlos+

PXLMAG Wertung

6.4 Durchschnittlich

Wer mit allen erdenklichen lizensierten Teams spielen möchte, kommt um FIFA kaum herum. Auch die Abwechslung, der Saison-Modus und die gute Umsetzung des Sammel-Aspekts sprechen für das Spiel. Leider leistet sich das Spiel einige Schwächen, die von der KI über die Grafik bis hin zu wenig sinnvollen Spielmodi reichen.

  • Grafik 6
  • Atmosphäre 6.5
  • Steuerung 8.5
  • KI 5
  • Preis/In-App-Käufe 6
  • User Ratings (1 Votes) 5.3
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Über den Autor

Hallo, ich heiße Julius und bin 19 Jahre alt. Ich bin immer auf der Suche nach neuen interessanten Apps und schreibe hier beim PXLMAG vor allem über Selbige. Aber auch über andere Themen rund um Technik, die mich interessieren, finden hier ihren Platz.