Smart Home und Internet of Things sind wahrlich keine neuen Themen. Bereits seit Jahren versuchen Hersteller mit ihren Produkten, das Zuhause besser zu vernetzen. Doch bis heute hat die Branche vor allem mit einem großen Problem zu kämpfen: Bisher gibt es nur wenig allgemeingültige Standards, die sich im vernetzten Zuhause durchsetzen konnten. Jeder entwickelt an seinem eigenen System, weswegen nicht viel ineinander greift und oft auch die Sicherheit auf der Strecke bleibt. Sowohl Google als auch Amazon versuchen mit ihren Produkten Home beziehungsweise Echo Standards zu setzen. Doch sie sind nicht die einzigen: Auf Kickstarter sorgt aktuell ein Produkt für Furore, das dieses Problem ebenfalls angehen will. Knocki kann jede Oberfläche in ein smartes Device verwandeln, ganz ohne Knöpfe oder Schalter.

Großer Erfolg für kleines Team

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Die Geschichte von Knocki klingt wie der Traum eines jeden, der auf Kickstarter sein Projekt einstellt: Das Finanzierungsziel von 35.000 Dollar wurde innerhalb einer Stunde erreicht, inzwischen hat das kleine Team aus Houston in Texas über 500.000 Dollar einsammeln können. Zuvor war Knocki schon in die Reihe der Team-Favoriten des Crownfounding-Portals aufgenommen worden. Eine Ehre, die nicht jeder Kampangne zuteil wird und ein großer Erfolg für das Team um die beiden Gründer Jake Boshernitzan und Ohad Nezer, denen die Idee zum Device kam, als sie auf einer Familienfeier Kinder sahen, die auf Kisten steigen mussten, um den Lichtschalter zu erreichen. Das muss auch anders gehen, dachten sie sich – und entwickelten Knocki.

Kaum größer als eine kleine Schachtel Pralinen ist die Box, die so viele Probleme im Smart Home zu lösen verspricht. Das kleine metallene Gerät verbindet sich mit dem WLAN und kann mit dem mitgelieferten Tape oder den Schrauben unter, auf oder hinter Oberflächen platziert werden – je nachdem, welcher Gegenstand smart gemacht werden soll.

Gegenstände werden mit Knocki zum Smart Home Controller

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Wie der Name schon andeutet, geht es bei Knocki vor allem ums Klopfen. In der dazugehörigen App können Gesten festgelegt werden, mit denen viele Gegenstände quasi zum Controller für Funktionen im Haus werden. Auf der Produktseite auf Kickstarter sind einige Funktionen aufgeführt, von denen sich viele allerdings nur mit intelligenten Geräten ausführen lassen. Lichter anschalten, Kaffee kochen oder Temperatur regeln ist ohne smarte Hardware selbst für Knocki ein Ding der Unmöglichkeit.

Knocki richtet sich aber bewusst nicht nur an Nutzer mit vielen intelligenten Geräten: Das verlorene Telefon finden, den Wecker stellen, die Musik kontrollieren oder ein Taxi rufen ist auch möglich, wenn das Smartphone das einzig smarte Gerät im Haushalt ist. Trotzdem gilt: Der Nutzen steigt, je mehr smarte Geräte im Haushalt vorhanden sind. Auch eine Reihe an Aktionen ist bei Knocki möglich: Mit einer einzigen Geste kann man am Abend die Tür abschließen, das Licht ausschalten und das Alarmsystem in Bereitschaft bringen – entsprechende Hardware immer vorausgesetzt. Knocki arbeitet mit einer ganzen Reihe an mehr oder weniger etablierten Systemen zusammen. Neben den Phillips Hue Lampen sind zum Beispiel auch Googles Nest Produkte mit dem System kompatibel. Daraus ergibt sich eine ganze Reihe an Einsatzmöglichkeiten. Die Entwickler scheinen mit ihrer Kampagne explizit auch Menschen mit Handicap ansprechen zu wollen, die den Lichtschalter oder Temperaturregler nicht so einfach erreichen können.

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Knocki unterscheidet zwischen einfachen Klopfgesten und sogenannten Codes, die aus bestimmten Abfolgen bestehen (z.B. erst zweimal klopfen, dann dreimal klopfen). Während die Gesten für einfache Aktionen ausgelegt sind, sollen die Codes bestimmte Funktionen „sichern“, die nicht jeder einfach auslösen können sollte. Laut Hersteller könne eine patentierte Technik andere ähnliche Impulse im Raum von einer Geste unterscheiden und so verhindern, dass man unfreiwillig eine Aktion auslöst. Solange sie auf unterschiedlichen Oberflächen angebracht sind, können übrigens auch mehrere Knockis nebeneinander in einem Raum existieren, ohne sich in die Quere zu kommen.

Klopfen schlägt Sprache?

knocki-kickstarter3Im Gegensatz zu Systemen wie Amazon Echo oder das kürzlich auf der I/O vorgestellte Google Home (wir berichteten) unterstützt Knocki keine Spracheingabe. Klopfgesten seien aus vielerlei Gründen praktischer, ist das kleine Entwicklerteam überzeugt. Zum einen wolle man nicht in jeder Situation Sprache verwenden und zum anderen komme es ständig zu Konflikten zwischen Geräten, wenn mehrere von ihnen im Raum auf Spracheingaben reagieren. Zudem sei Klopfen oft genauer als Spracheingaben, die nicht selten falsch verstanden würden.

Noch bis Anfang Juli kann das Projekt auf Kickstarter unterstützt werden. Dort setzten die Macher auf eine geschickte Strategie: Die ersten 100 Unterstützer bekamen ein Gerät für 59, die nächsten 2000 für 69 Dollar. Aktuell müssen Interessenten 79 Dollar auf den Tisch legen, um ein Gerät zu bekommen – immer noch deutlich weniger als der voraussichtliche Verkaufspreis von 123 Dollar.

Bis November noch wollen sich die Entwickler Zeit nehmen, um Knocki zu verbessern und einen ersten Beta-Test durchzuführen. Geht alles glatt, könnten die ersten Unterstützer bereits im Dezember ihre Knockis in den Händen halten. Und wer weiß, vielleicht kommt die Lösung für das Smart Home nicht von Google oder Amazon, sondern von einem kleinen Team aus Houston. Es wäre zumindest ein schöner Abschluss der Geschichte.

Knocki auf Kickstarter

 

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Über den Autor

Hallo, ich heiße Julius und bin 19 Jahre alt. Ich bin immer auf der Suche nach neuen interessanten Apps und schreibe hier beim PXLMAG vor allem über Selbige. Aber auch über andere Themen rund um Technik, die mich interessieren, finden hier ihren Platz.